Doktoranden

Martin Klimpel (M.A. „Geschichte und Theologie des Christentums“)
martin.klimpel(at)uni-leipzig.de

Naturwissenschaft als Religionsersatz: Wilhelm Ostwald als Kronzeuge einer „wissenschaftlichen“ Weltanschauung in Kaiserreich, SED-Diktatur und wiedervereinigtem Deutschland.

Betreuer: Prof. Dr. Matthias Petzoldt, Prof. Dr. Rochus Leonhardt

Anlässlich der Umbenennung des Institutes für Physikalische und Theoretische Chemie an der Fakultät für Chemie und Mineralogie der Universität Leipzig in „Wilhelm Ostwald Institut“ am 10.01.1998 wurden Bedenken über die Bedeutung des berühmten Leipziger Chemienobelpreisträgers geäußert. Es wurde dabei auf seine kulturphilosophische Arbeit hingewiesen, die eine Unterwerfung aller Lebensbereiche unter die Wissenschaft anstrebe und damit Wege zu Sterbehilfe und Krankentötung bereite. Dagegen erhob sich heftige Kritik und Widerspruch: Man würdigte zwar solche Einwände als prinzipiell richtige Argumente, rückte aber von einer generellen Hochschätzung Wilhelm Ostwalds nicht ab.

Hier scheinen sich zwei verschiedene Zugänge zu Wilhelm Ostwald gegenüber zu stehen. Einer negativen Hervorhebung seines philosophischen und vermeintlich gefährlichen Wirkens wird die naturwissenschaftliche, nobelpreiswürdige und wissensorganisatorische Arbeit positiv übergeordnet und vorangestellt. Es kann vermutet werden, dass sich hierin eine Spätfolge der Ostwaldrezeption zu DDR-Zeiten zeigt, die einerseits Ostwald als Wissenschaftler würdigte, aber andererseits nicht mit seiner Philosophie umzugehen wusste und sie aus marxistisch-leninistischer Perspektive verwarf. Dessen ungeachtet konnte Ostwald aber als Religionsgegner, unter der vom Regime forcierten Religionsfeindlichkeit mit dem Motto „Wissenschaft contra Gottesglauben“ instrumentalisiert werden.

Die Ziele des Promotionsprojektes liegen nun darin, die Rezeptionsgeschichte von Ostwaldschem Gedankengut aufzuarbeiten, hinsichtlich der Instrumentalisierung zu untersuchen und gleichzeitig der Frage nach einer „Ersatzreligion Wissenschaft“ nachzugehen.

Der Blick richtet sich dabei vom Deutschen Monistenbund über die Ideologie der SED-Diktatur bis zu aktueller Religionskritik der sogenannten Neuen Atheisten. Die historische Aufarbeitung soll dabei dem Theologischen Standpunkt in der Auseinandersetzung mit aktueller religionskritischer Anfechtungen dienlich sein.

 

Elisabeth Loos
elisabethloos(at)web.de

„Leben“ im Spannungsfeld von Biologie und Theologie. Interdisziplinäre Problemstellungen im Kontext der Synthetischen Biologie.

Betreuer: Prof. Dr. Matthias Petzoldt und Prof. Dr. Christian Wilhelm (Universität Leipzig, Institut für Biologie, Abteilung Pflanzenphysiologie)

Die Synthetische Biologie ist eine seit Ende des 20. Jahrhunderts verfolgte Forschungslinie innerhalb der Biologie, die mit einem verstärkt ingenieurwissenschaftlichen Ansatz das Ziel verfolgt, Organismen im Labor komplett zu synthetisieren statt nur zu modifizieren. Sie hat in den letzten Jahren immer wieder mit aufsehenerregenden Projekten die öffentliche Aufmerksamkeit auf das Konzept Leben gelenkt. Die Darstellung in den Medien erweckt oft den Eindruck, dass einerseits der naturwissenschaftliche Begriff von Leben immer weiter auf biochemische Strukturen reduziert wird, und dass andererseits theologische Begriffe wie „Schöpfung“ und „Gott“ allein dazu dienen, den Kontrast zwischen aktuellen „Life Sciences“ und der scheinbar hoffnungslos antiquierten Wissenschaft von Gott hervorzuheben.

Das geplante Dissertationsprojekt nimmt die Diskussion um die Synthetischen Organismen zum Anlass, zu untersuchen, welche Lebensbegriffe in der Biologie und der Theologie vorliegen und in welchem Verhältnis sie zum sogenannten „Leben 2.0“ der Synthetischen Biologie stehen. Dabei sollen Positionen aus dem Bereich der Biologie und der Theologie zunächst getrennt diskutiert werden, um im anschließenden Schritt die Frage zu stellen, welche Relevanz die Erkenntnisse der verschiedenen Disziplinen füreinander haben können oder sollen. Die Arbeit sieht in den Forschungen der Synthetischen Biologie die Herausforderung, eine Schärfung des Lebensbegriffes in der Biologie und Theologie anzustreben.

Die interdisziplinär angelegte Arbeit wird von Prof. Dr. Matthias Petzoldt und Prof. Dr. Christian Wilhelm (Universität Leipzig, Institut für Biologie, Abteilung Pflanzenphysiologie) betreut.

Publikationen:

  • Religionslosigkeit und Wissenschaft. Darstellung und Diskussion von Positionen aus dem 'Neuen Atheismus', in: Beyer, M., Kropff, M., Liedke, U. (Hrsg.), Religionsloses Ostdeutschland? Wahrnehmungen und Diskurse; Matthias Petzoldt zum 65. Geburtstag. Leipzig 2015, 33-45
  • Biologische Konzepte von 'Leben' und die Synthetische Biologie, in: Graßmann, T., Herresthal, S. (Hrsg.), Leben konstruieren? Deutungsmuster Synthetischer Biologie. TTN edition. 1/2015, 29-47 [online unter: www.ttn-institut.de/TTNedition.]

 

Dipl. theol. Christiane Nagel
christiane_nagel(at)gmx.net

„Religionswissenschaft und Theologie. Ein wissenschaftstheoretischer Abgrenzungsversuch anhand ihrer unterschiedlichen Fragestellungen“

Theologie und Religionswissenschaft sind zwei aufeinander bezogene Disziplinen: Zum einen verbindet sie ihr geistes- und kulturwissenschaftlicher Methodenkanon; zum anderen beschäftigen sich beide mit dem Phänomen von Religion(en). Nicht eindeutig ist, was sie unterscheidet. Religionswissenschaft entstand maßgeblich im theologischen Kontext. Ihr Emanzipationsprozess von der Theologie kann als unabgeschlossen angesehen werden: Mal existiert sie als theologische Unterdisziplin, mal als eigenständiges Institut. Dies spiegelt wider, wie konträr teilweise die wissenschaftstheoretischen Verhältnisbestimmungen verlaufen: Mal wird die Eigenständigkeit der Religionswissenschaft, mal die akademische Existenz der Theologie verneint. Beides impliziert die gegenseitige Absprache einer Daseinsberechtigung als Wissenschaft.

Bisherige Verhältnisbestimmungen konzentrierten sich auf eine Unterscheidung anhand vermeintlich unterschiedlicher Methodik, Perspektive oder Gegenstände. Dies erscheint jedoch – aufgrund des Bezugs der Disziplinen aufeinander – als nur schwerlich haltbar. Erst vereinzelt treten Ansätze auf, die eine Differenzierung anhand der unterschiedlichen Forschungsabsichten der Fächer vollziehen. Aufbauend auf diesen will geplantes Promotionsprojekt ein eigenes Konzept entwickeln, Religionswissenschaft und Theologie anhand ihrer verschiedenen Fragestellungen voneinander abzugrenzen. Dadurch gestaltet sich die Arbeit einerseits interdisziplinär; andererseits ist sie der Wissenschaftstheorie der Theologie, also der Fundamentaltheologie zuzuordnen.

Betreut wird das Projekt von Prof. Dr. Matthias Petzoldt (als dem Doktorvater) und Prof. Dr. Christoph Kleine (Religionswissenschaftliches Institut an der Universität Leipzig, Professur für Religionsgeschichte).

letzte Änderung: 15.05.2015